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EM-Abseits Spieltag 14 – Ein kritischer Blick auf die EM

EM-Abseits Spieltag 14 - Ein kritischer Blick auf die EM 1

Am 14. Spieltag des EM-Abseits haben die Trainerinnen zwei Themen zur Verfügung gestellt, aus denen man frei wählen kann.

Fußball-Pannen

oder

Fußball-EM kritisch gesehen

Ich habe mich für das 2. Thema, für einen kritischen Blick auf die Fußball-EM entschieden.

Wir leben in einer globalisierten Zeit, in der das Internet für viele zum Standard geworden ist. Der arabische Frühling hat eindrucksvoll bewiesen, welche Macht neue Medien haben können. Wer nicht völlig abgeschottet von jeglichen Medien lebt, wird von den kritischen Berichten bezüglich der Ukraine nicht verschont geblieben sein. Die Ukraine steht in der Kritik, weil sie nicht so handelt, wie man es von ihr erwartet. Zuerst wurde insbesondere über Facebook kritisiert, dass die ukrainischen Behörden Straßenhunde töten lassen, um die Straßen sauber zu bekommen. Dann folgte die mangelhafte Behandlung der (möglicherweise zu Unrecht) gefangengehaltenen ehemaligen Ministerpräsidentin der Ukraine Julija Tymoschenko. Von unterschiedlichen Seiten wurde daraufhin der Boykott der ukrainischen EM-Spiele gefordert. Teilweise wurde sogar verlangt die EM zu verlegen, zum Beispiel nach Deutschland.

Das Sportereignisse in Ländern mit politisch schwierigen Verhältnissen stattfinden, geschieht nicht zum ersten mal. Ohne die Verhältnisse in den folgend genannten Ländern gleichsetzen zu wollen, denn dass wäre völlig falsch, ist die Ukraine nicht das erste Land, das kein einwandfreies Bild nach außen wirft. 1936 fanden in Deutschland, das bereits eine nationalsozialistische Diktatur war, die olympischen Sommerspiele statt. Die Spiele wurden zur politischen Propaganda missbraucht. Auch die olympischen Spiele 2008 in Peking wurden, kurz vor Beginn, in den Medien stark kritisiert. auch hier sprach man von einem Boykott, der insbesondere auf die Auseinandersetzung in Tibet und die Verletzung der Menschenrechte bezogen war. Und noch bevor die EM im Juni beginnt, gibt es ein weiteres Großereignis, dessen Austragungsstätte in die Kritik geraten ist. Die Rede ist von Baku in Aserbaidschan, wo in der kommenden Wochen der Eurovision Song Contest stattfinden wird. Der autoritären Regierung wird vorgeworfen gegen die Menschenrechte zu verstoßen, Kritiker zu verhaften und Menschen für den ESC aus ihren Häusern zu vertreiben. Auch in Baku wurde teilweise ein Boykott gefordert.

Ich bin zwar ein wenig vom Fußball abgedriftet, aber im Grunde betrifft dieses Problem nicht nur die aktuelle Fußball-EM.

Jetzt stelle ich mir allerdings die Frage, warum man immer erst kurz vor einem Großevent erfährt, dass die politischen Zustände in der Ukraine und in Aserbaidschen nicht so sind, wie man es sich wünscht. Der Tibetkonflik besteht seit mehr als 50 Jahren, wieso kam es direkt vor den olympischen Spielen zu Eskalationen und einem  Aufschrei in den Medien. Es erscheint unwahrscheinlich, dass die Situation in Aserbaidschan, in der Ukraine oder in China gerade zum Zeitpunkt des Events so anders ist als zuvor. Viel mehr würde ich dies auf zwei Aspekte zurückführen. Einerseits steht das Land im Mittelpunkt des medialen Interesses. Medienvertreter besuchen das Land und stellen fest, das in der Ukraine keine beispielhafte Demokratie vorzufinden ist. Eine Überraschung? Oder eher eine gute Story? Andererseits können auch Menschenrechtsorganisationen und Opfer der jeweiligen Situation dies als Chance sehen. Wer hätte sich zuvor für Menschen interessiert, die in Baku ihre Häuser verlieren? Für Hund die in der Ukraine getötet werden? Für den Tibetkonflikt, der längst aus den Schlagzeilen verschwunden war? Ein mediales Großevent bietet die Möglichkeit auf Missstände im eigenen Land aufmerksam zu machen. Dies ist vielen anderen Ländern weltweit in diesem Ausmaß nicht möglich.

Sollte man die EM boykottieren? Meiner Meinung nach nicht. Natürlich nutzt das jeweilige Gastgeberland die Möglichkeit sich möglichst gut darzustellen. Aber auch die Opposition, Menschenrechtsorganisationen und andere können von diesem Event profitieren, denn nur so fällt auch der kritische Blick auf die Ukraine. Ob sich dadurch etwas ändert, weiß man nicht, aber es ist auch nicht ausgeschlossen. Wegsehen und wegbleiben hilft hingegen niemand. Ich bin mir der Situation in der Ukraine bewusst und hoffe, das diese auch nach der Europameisterschaft nicht in Vergessenheit gerät. Was wäre die Alternative? Großevents nur in Ländern mit perfekten Demokratien? Das könnte schwierig werden.

Ich jedenfalls freue mich auf eine friedliche EM in Polen und der Ukraine.


5 Antworten zu “EM-Abseits Spieltag 14 – Ein kritischer Blick auf die EM”

  1. Hast Du toll geschrieben und auch toll gelöst. Es ist ja wirklich so, dass zu Großereignissen die Probleme öffentlich breit getreten werden. Das ist genauso falsch, wie wenn man dann wegsehen würde.
    Ob sich dadurch etwas ändert, sei mal dahingestellt. Sicher ist doch nur, wenn niemand was sagt sich sicher nichts ändern wird.
    Ein Boykott ist immer die falsche Wahls. Wie schon festgestellt, hinfahren, anschauen, reden und dann erzählen. Das bringt mehr, also kollektiv aufzuschreien und dann wieder schnell in der Versenkung verschwinden.

    LG Mella

  2. Applaus! Ein sehr schöne Beitrag auch gefällt mir dein Blick auf die Geschichte von Sportveranstalltungen! Es ist glaube ich ein Problem unserer schnellebigen Zeit, dass große Probleme doch sehr schnell wieder in die Versenkung verschwinden – leider. Danke sehr! Grüßle Susanne

    • Danke, ich war tatsächlich etwas besorgt, dass ich meinen Standpunkt nicht richtig rüberbringen kann. Bei solch heiklen Themen reicht ja oft schon ein falsches Wort und man wird völlig falsch verstanden, aber eben diesen Punkt wollte ich ansprechen.

      Liebe Grüße

  3. Guter Beitrag.
    Dass die Themen schnell wieder aus den Medien verschwinden, liegt offensichtlich in der Natur des Menschen. Ohne die Großereignisse würden diese Themen aber noch weniger an die Öffentlichkeit kommen.
    Gruß
    Fulano

  4. EM-Abseits #14: Fußball-Pannen…

    Kennst du Carmen Thomas? Vielleicht. Es ist schon lange her und gehört dennoch zu den mit wohl berühmtesten und legendärsten Pannen in der Sportgeschichte. Um 22.12 Uhr am 21. Juli 1973 erscheint auf dem Fernsehbildschirm Carmen Thomas um das “Da…

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