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Ein Wochenende in Warschau

Ein Wochenende in Warschau 1

Anfang Dezember habe ich ein Wochenende mit einer Freundin in Warschau verbracht. Durch die Weihnachtszeit bin ich noch nicht dazu gekommen, euch davon zu berichten, was ich hiermit nachholen möchte, denn Warschau ist wirklich eine Reise wert.

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Von Berlin nach Warschau…

…fährt man am Besten mit dem Zug. Vom Hauptbahnhof braucht man etwas mehr als fünf einhalb Stunden in die polnische Hauptstadt. Obwohl wir nur knapp drei Wochen vorher gebucht haben, kostete die Fahrt insgesamt nur etwa 60 Euro. Wir sind morgens um 6:40 Uhr in den Zug gestiegen und waren um 12:15 am Warschauer Hauptbahnhof. Man hat also noch den ganzen Tag Zeit, um die Stadt zu erkunden. Auf der Rückfahrt haben wir einen Zug um 17:38 Uhr genommen, der eigentlich um 23:12 Uhr wieder in Berlin eintreffen sollte. Aufgrund eines entgleisten Zuges an der deutschen Grenze, hatte unser Zug allerdings drei Stunden Verspätung. So etwas kann passieren und ist nicht wirklich angenehm, aber es gibt schlimmeres.

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Übernachten in Warschau…

kann man kostengünstig in einer Vielzahl von Hotels und Hostels. Wir haben bereits vor der Abreise gebucht und uns für „El Hostel“ entschieden, was ein Glücksgriff war. Zum Hostel werde ich euch in einem separaten Bericht noch einmal mehr berichten.

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Die Altstadt von Warschau…

…ist im Grunde gar nicht so alt. Während des Zweiten Weltkrieges wurden fast 90% der Stadt von der deutschen Besatzungsmacht mutwillig zerstört, was insbesondere auf den Aufstand im Warschauer Ghetto und den Warschauer Aufstand zurückzuführen ist. Nachdem der Warschauer Aufstand 1944 niedergeschlagen wurde, wurden Stadt und Bevölkerung mit einer unvorstellbaren Zerstörung bestraft. Dies ist ein wichtiger Grund dafür, dass man heute in Warschau kaum noch Altbauten findet, dafür aber eine Vielzahl an unschönen Plattenbauten. Die Warschauer Altstadt hingegen lädt zu einem Spaziergang durch die mittelalterliche Stadt ein. Auch hier wurde im Krieg alles zerstört, aber nach mittelalterlichem Vorbild wieder aufgebaut. Das ist so erstaunlich gut gelungen, das ich von alleine niemals auf die Idee gekommen wäre, das die Häuser aus den 50er Jahren stammen. Auch das Schloss und die Prachtallee wurden wieder aufgebaut. Architektonisch ist beim Schloss sehr interessant, dass die Innenfassade in vier unterschiedliche Abschnitte geteilt ist, die jeweils eine der historischen Baueepochen des Schlosses darstellen. Das Schloss kann auch besichtigt werden und ist von innen teilweise auch nach historischem Vorbild eingerichtet, so dass man die ehemaligen Königsgemächer in ihrer vollen Pracht bewundern kann. Sonntags ist der Eintritt im Warschauer Schloss frei.

Um die Altstadt und die Geschichte Polens genauer kennenzulernen, ist die Free Walking Tour ideal. Man trifft sich um 11.00 Uhr vor dem Schloss und kann an einer kostenfreien, englischsprachigen Stadtführung teilnehmen. Unsere Tour wurde von einer jungen Polin geleitet, die uns mit viel Humor und Kompetenz in die Geschichte ihrer Heimat eingeführt hat. Am Ende geht ein Hütchen rum und jeder kann so viel geben, wie er möchte. Das ist meiner Meinung nach ein super Konzept, da ich so einen motivierten Guide habe, der nach Leistung bezahlt wird. Da unsere Stadtführung wirklich gut war, sind vermutlich auch die meisten bereit gegeben, die junge Dame ordentlich dafür zu belohnen.

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Einkaufsmöglichkeiten in Warschau

In Warschau gibt es viele große Einkaufszentren. Ein sehr großes und modernes befindet sich direkt am Hauptbahnhof. Dort findet man jegliche große Einkaufsketten, die es auch in Deutschland gibt, aber auch internationale Größen wie Topshop, Sephora, Bull & Bear und andere. Preislich sind die Artikel in den Geschäften natürlich ungefähr ebenso teuer wie in Deutschland, echte Schnäppchen findet man hier nicht. Wir waren fast ein bisschen erschlagen von der Größe des Einkaufszentrums, so dass wir so gut wie gar nichts gekauft haben. Es gibt aber, insbesondere nahe der Altstadt, auch viele kleine Läden, in denen man einkaufen kann.

Essen und Trinken in Warschau

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Wenn mich etwas überrascht hat, dann war es das Essen in Warschau. Ich hatte befürchtet, als dem polnischen nicht mächtiger Vegetarier, leichte Probleme beim Essen bestellen zu bekommen. Aber erstaunlicherweise gibt es auf polnischen Speisekarten viel mehr vegetarische Gerichte, als in traditionellen deutschen Restaurants. Unser absolutes Highlight war dabei die Restaurantkette Zapiecek, die uns auch bei der Stadtführung empfohlen wurde. Man findet in Warschau mehrere Filialen und alle sind urig, traditionell eingerichtet. Auf der Speisekarte stehen typische polnische Gerichte wie Bigos und Borscht und vor allem hausgemachte Piroggi, die ich jeden Tag in den unterschiedlichsten Variationen gegessen habe. Das Restaurant ist auch bei Polen sehr beliebt, so dass wir jedes mal ungefähr fünf Minuten warten mussten, bis ein Tisch frei wurde. Aber das Warten lohnt sich, denn für fünf bis sechs Euro bekommt man einen großen Teller voll leckerer, hausgemachter Piroggi.

 Wer einen ganz besonderen Kakao trinken möchte, besucht die Schokoladenfabrik Wedel auf der anderen Seite der Weichsel. Dort bekommt man dickflüssigen Kakao und leckere Schokopralinen.

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Unbedingt sehen…

sollte man den großen jüdischen Friedhof in Warschau. Vor dem 2. Weltkrieg war annähernd ein Drittel der Bevölkerung Juden. Durch die Greueltaten der Nazis ist von der jüdischen Geschichte leider nichts mehr zu entdecken. Der Friedhof in Mitten einer Plattenbausiedlung ist so ganz anders als die streng geordneten deutschen Friedhöfe. Die Gräber werden der Natur überlassen, so dass sie mitten in einem Wald stehen und viele der Grabsteine, die fast ausschließlich aus der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg stammen, bereits verwittern oder umgestürzt sind. Touristen scheint es hier wenige zu geben, wir waren die einzigen Besucher auf dem gesamten Friedhofsgelände.

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Außergewöhnliches in Warschau

Wer das etwas außergewöhnliche bevorzugt, sollte dem Neonmuseum Warschau einen Besuch abstatten. Hier werden alte polnische Neonreklamen aus den 30er bis 50er Jahren restauriert und ausgestellt. Das Museum ist klein, aber auch einzigartig. Ebenso einzigartig ist das Fotoplastikon in Warschau. In einem einzigen Raum befindet sich ein Gerät, in das man durch eine Art Fernglas hineinschaut. Man blickt auf ein Bild, das durch eine spezielle, Anfang des 20. Jahrhunderts erfundene Technik, in 3D erscheint. So werden Bilder aneinander gereiht, die eine Geschichte ergeben. Was früher ein Treffpunkt für die polnische Bildungselite war, mutet heute ein wenig skurril an, ist aber dennoch sehr interessant.

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8 Antworten zu “Ein Wochenende in Warschau”

  1. Hallo Julia,
    das macht ja Lust auf Warschau, ich war noch nie dort, aber besonders der Friedhof und die Piroggen würden mich schon reizen 🙂

    Liebe Grüße

    • Dann solltest du dir irgendwann einmal einen Kurztrip nach Warschau gönnen. Die Stadt wird in Europa als Reiseziel irgendwie noch ziemlich unterschätz, dabei lohnt sich Warschau insbesondere aus dem Osten Deutschlands. Ich brauche mit dem Zug ungefähr genauso lange nach Warschau, wie nach Frankfurt, was ich vorher tatsächlich nicht gedacht hätte.

      Liebe Grüße

        • Ja, vielleicht noch einmal im Sommer, da soll es im Warschau auch sehr schön sein. Ich habe glaube ich auch selten in Europa so wenig Geld bei einem Städtetrip ausgegeben, insbesondere weil das Essen so gut bezahlbar ist.

  2. Danke Dir für den tollen Bericht, ich wohne in Berlin und von hier ist es wie Du sagst ja nicht all zu weit, ich werde mal schauen ob wir dieses Jahr für 1 Wochende nach Warschau fahren danke für den tollen tipp!
    LG
    Daniela

    • Liebe Daniela, wie schön, das dich mein Bericht für eine Warschaureise begeistern konnte. Ein Wochenende in der polnischen Hauptstadt lohnt sich in jedem Fall 🙂

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