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Fred Schippach – Der Kreidedieb (Rezension)

Fred Schippach - Der Kreidedieb (Rezension) 1

Der Kreidedieb von Fred Schippach ist ein autobiographischer Roman, der von einer Kindheit zur Zeit des Nationalsozialismus erzählt. Fred verbringt seine frühen Jahre in einem behüteten Elternhaus in Berlin, in dem auch die Großeltern leben. Nachdem das Haus jedoch bei einem Bombenangriff abbrennt, zieht er gemeinsam mit seiner Mutter und seinem jüngeren Bruder aufs Land. Dort wird er bereits an seinem ersten Schultag zu Unrecht eines Diebstahls beschuldigt, was Folgen für seine gesamte Schulzeit haben wird und ihn dazu bewegt immer wieder von zu Hause fortzulaufen.

Zu Beginn hatte ich ein Problem mit dem Hauptakteur, der autobiographischen Figur Fred Schippachs. Der Autor erzählt für mich eher unvorstellbare Dinge aus seiner sehr frühen Kindheit. Bereits aus seinen ersten beiden Lebensjahren weiß er zu berichten, was mir, ausgehend von meinen eigenen Erinnerungen, doch eher unwahrscheinlich erschien. Allerdings ist im Laufe der Geschichte zu erkennen, dass der kleine Fred tatsächlich ein außergewöhnliches Kind ist und seine Entwicklung in vielen Punkten nicht altersgemäß ist. Nachdem ich mich an die Besonderheiten des Kindes gewöhnt hatte, viel das Lesen leicht.  Der Schreibstil ist sehr angenehm und die Geschichte wird bildhaft beschrieben. Zusätzlich wird der Roman durch viele, vom Autor selbst entworfene Zeichnungen, unterstützt, die stilistisch erstaunlich gut gelungen sind. Zeichnungen finden viel zu selten den Weg in Bücher für Erwachsene und so war ich positiv überrascht von der Illustrierung.

Aus heutiger Sicht stellt man sich gerne vor, das die damaligen Kinder geprägt vom Nationalsozialismus waren und dies einen zentralen Lebensinhalt darstellte. Beim Hauptakteur dieser Geschichte wird jedoch deutlich, dass dies dem Verständnis der Nachgeborenen entspricht. Freds Leben ist zwar geprägt von Ereignissen seiner Zeit, von dem Brand seines Hauses durch einen Bombenangriff, der Ungerechtigkeit der Lehrer, dem Vater, der in den Krieg ziehen muss, aber für den Jungen ist dies so weit Normalität, das er sich nicht wirklich damit auseinandersetzt. Auch die Ideologie des Nationalsozialismus findet in dieser Geschichte kaum Platz. Und das, obwohl der Junge sehr aufgeweckt ist und viele Fragen hat, die sonst in seinem Alter eher ungewöhnlich sind.

Interessant finde ich auch, dass der Autor mit seinem jüngeren Bruder recht wenig anfangen kann. Viel mehr interessiert er sich für Fragen der Erwachsenenwelt, die ihm als Kind jedoch so gut wie nie beantwortet werden. Das Verhältnis zwischen Kind und Erwachsenem ist ein völlig anderes, als das heutiger Generationen. Der Kreidedieb bietet dabei einen interessanten Einblick in die damalige Zeit, ohne zu belehren, ein Roman der sicherlich auch für Jugendliche und im Schulunterricht von Interesse sein könnte.

WERBUNG: Der Kreidedieb von Fred Schippach ist im Frieling  Verlag Berlin erschienen und kostet 11,50 Euro.


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