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Nähen und Nachhilfe als Tür zur Integration — 9 Kommentare

  1. Tolle, extrem wertvolle Arbeit leistest Du! Danke, dass du dich aktiv einbringst und uns mit deinen Berichten mitnimmst. Weiterhin viel Kraft für dein Engagement!

  2. Hallo Julia,
    Hut ab vor deinem Engagement. Eine Frage hab ich dazu mal: Man liest und hört bei den von dir begleiteten Projekten eigentlich immer nur von männlichen Jugendlichen, die unbegleitete Flüchtlinge sind. Was ist mit Mädchen? Die müsste es doch auch bei euch geben. Oder sind es definitiv kaum Mädchen, die unbegleitet auf der Flucht sind? Oder sind deine speziellen Workshops und Aktivitäten einfach nur für Jungen vorgesehen, oder ist es unüblich, gemischte Gruppen zu haben, vielleicht aus kulturellen Gründen? Oder liegt es vielleicht einfach an getrennter Unterbringung? An meiner Schule (ich bin Lehrerin), gibt es im Moment zwei Willkommensklassen, in denen Jungen und Mädchen gemeinsam lernen. Wir werden dem,nächst noch zwei weitere Willkommensklassen dazu bekommen. Lieder ist es ziemlich schwer, im Schulbetrieb eines Gymnasiums Regelschüler und Willkommensschüler miteinander zu verknüpfen. Dies gelingt eigentlich nur dann, wenn die Willkommensschüler sprachlich so weit sind, dass sie durchgängig in einer Regelklasse sind. Erst dann gibt es engerer Kontakte und die Jugendlichen profitieren voneinander.
    LG Iris

    • Liebe Iris,

      es gibt sicher das ein oder andere unbegleitete Mädchen, aber nicht in der großen Anzahl, wie die Jungs. Das ist ja alleine schon kulturell begründet. In den Ländern, aus denen die vielen unbegleiteten Jugendlichen kommen, haben Frauen ja eine ganz andere Rolle, als Männer. Hinzu kommt, dass die Flucht teuer ist und das Geld nicht für die ganze Familie reicht, sodass sich meist der älteste Sohn auf den Weg macht. Ich habe die Jungs auch gefragt, aber aus Afghanistan und dem Iran ist ihnen kein einziges Mädchen bekannt, dass alleine geflohen ist. In meinem Nähworkshop sind immer wieder auch Mädchen. Das ist in der Zusammenarbeit mit den Jungs kein Problem und ich freue mich immer sehr, wenn auch Mädchen teilnehmen. Nur sind diese halt doch noch besser betreut, da sie mit ihren Familien hier sind und kommen deshalb weniger regelmäßig. Ich weiß, dass es problematisch klingt, dass ich mich vorwiegend um männliche Jugendliche kümmere, aber hier sehe ich aktuell besonderen Bedarf, da die Jungs keinen Erwachsenen hier haben und einfach selbst doch noch Teenager sind. Wären es mehr hilfebedürftige Mädchen, wäre mir das genauso recht.

      Tatsächlich hätte ich sehr gerne mehr Mädchen und vor allem beim Nähkurs auch deutsche Teilnehmer und wir sind dabei zu überlegen, wie wir dies erreichen können. Die Jungs sind auch alle in Willkommensklassen, in denen nur Jungs sind. Einfach, weil es so viele von ihnen gibt. Das die ersten beiden es in dieser Woche in die Regelklassen geschafft haben (der eine nach 2 Monaten Willkommensklasse und der andere komplett ohne Willkommensklasse) finde ich eine großartige Leistung und ich bin sehr froh, dass sie so nun endlich mit anderen Jugendlichen ihres Alters, Mädchen und Jungen, in Kontakt treten können.

      Liebe Grüße,

      Julia

      • Danke für deine ausführliche Antwort! Ich empfinde es als riesengroße Herausforderung im Schulalltag, denn es ist sehr schwierig , die Schüler aus Willkommensklassen in Regelklassen eines Gymnasiums adäquat zu unterrichten. Sie hätten an anderen Schulformen wie Sekundarschulen wesentlich mehr Chancen mitzukommen, aber diese Schulen sind ja zu voll und so bleiben sie meistens aus Bequemlichkeit des Schulamtes bei uns und gehen dort unter.

        • Ja, das ist wirklich ein Problem. Das Niveau der Jugendlichen ist generell ja auch sehr unterschiedlich. Ich habe recht gebildete Jugendliche dabei, aber bei einem auch feststellen müssen, dass er Analphabet war und deswegen gar keine Chance in der Schule hatte. Das hatte bisher allerdings noch keiner festgestellt und nachdem wir mit ihm das Alphabet gelernt haben und ein wenig lesen und schreiben, läuft es jetzt mit dem Deutsch lernen auch viel besser. Teilweise sind die Willkommensklassen sehr gut und ich bin erstaunt von dem guten Unterricht, der dort geboten wird. Das ist eine absolute Herausforderung für jede Schule. Die Qualität variiert aber scheinbar von Schule zu Schule sehr. Es geht leider auch umgekehrt. Ich habe zum Beispiel auch einen Jungen, der absolut fit für die Regelschule wäre und in einer Willkommensklasse sitzt, in der jeden Tag nur der Ball, der Spielplatz und das Haus unterrichtet wird, was den Jungen absolut fertig macht, da er fließend deutsch spricht und seit seiner Ankunft eigenständig jeden Tag den ganzen Tag gelernt hat. Eine super schwierige Situation auch für diesen Jungen, mit der er immer wieder an mich herantritt, aber hier weiß ich zum Beispiel einfach nicht, wie ich helfen kann.

          Liebe Grüße

  3. Schön das es Menschen wie dich gibt die sich so toll engagieren! Wünsche dir weiterhin viel Spaß und Kraft für diese Aufgabe! Ich lese da sehr gerne von.
    LG Janina

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