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Chinesische Stickerei – Stiche und Symbole

Chinesische Stickerei - Stiche und Symbole 1

Lan Wang - Chinesische Stickkünstlerin

Bei der Textile Art Berlin habe ich einen Stickworkshop bei der chinesischen Künstlerin Lan Wang, die in ihrer Heimat an unterschiedlichen Hochschulen Kunst studiert und dabei insbesondere einen Fokus auf Tuschemalerei gelegt hat, sich aber auch sehr für das Sticken interessiert, insbesondere für die Miao-Stickereien.

Traditionell hatte das Sticken eine große Bedeutung in China. Insbesondere die Frauen verbrachten die Winter damit, Stickarbeiten anzufertigen. Bei den Miao waren dies zum Beispiel die farbenprächtigen und filigran bestickten Röcke, mit deren Gestaltung Kinder schon im Alter von sechs Jahren begannen, um bei der späteren Hochzeit möglichst viele Stickarbeiten vorweisen zu können. Gestickt wurden dabei bestimmte Symbole,

Symbolik in der chinesischen Stickerei

Ein sehr bekanntes chinesisches Symbol ist der Fisch, der sehr häufig in Stickereien, aber auch in anderen Formen, insbesondere zum Beispiel beim Neujahrsfest, dargestellt wird. Der Fisch steht dabei symbolisch für Reichtum. Der Vogel hingegen, wie fast überall auf der Welt, steht für die Freiheit, ebenso wie die Blume auch in China ein Symbol für die Schönheit ist.

Bekannt ist China auch für seine Darstellung von Drachen. Der Drache steht dabei symbolisch für die Kaiserfamilie, deren Darstellung als Menschen nicht erwünscht ist. Hier kann man auch die einzelnen Personen anhand der Details gut unterscheiden. Hat ein Drache fünf Krallen, so sieht man den Kaiser höchstpersönlich. Hat er jedoch nur vier Krallen, handelt es sich bei ihm um ein Mitglied der kaiserlichen Familie.

Zudem gibt es auch regional Symbole, die von den jeweiligen Völkern besonders bevorzugt werden.  So ist der Schmetterling ist ein Symbol, das insbesondere beim Miao-Volk häufig verwendet wird und als dessen Urform gilt.

Chinesisches Miao Stickerei

Auch wenn das Sticken in China eine lange Tradition hat, so ist es in der heutigen Zeit ein wenig in Vergessenheit geraten. Stickmaschinen sticken Motive in unglaublicher Schnelligkeit und in der modernen Gesellschaft ist wenig Zeit für solch zeitaufwendige und filigrane Handarbeiten. Hier wirkt inzwischen auch die Regierung entgegen, indem sie kostenfreie Stickkurse anbietet, damit dieser Teil der chinesischen Kultur nicht verloren geht. Man kann dabei wohl nicht von typischen chinesischen Stickereien sprechen. Bei einem so großen Land mit einer Vielzahl an Einwohnern gibt es natürlich die unterschiedlichsten kulturellen Ausprägungen und dementsprechend auch viele unterschiedliche Arten und Stile, wie gestickt wird. Von den nordchinesischen Bauernstickereien bis hin zu fast fotorealen Stickmotiven oder dem ganz filigranen Stickereien mit Menschen- oder Pfederdehaaren. Lan Wang selbst stammt aus einer Region im südlichen China, in der das Miao-Volk, eine indigene Volkgruppe, beheimatet ist. Mit deren Sticktechniken beschäftigte sich der Workshop.

Miao Stickerei aus ChinaWorkshop – Einblick in die Sticktechniken des Miao-Volkes

Während des zweistündigen Workshops konnten wir verschiedene Sticktechniken ausprobieren und kennenlernen. Als Anfänger war ich hier zwar in eine Gruppe von stickenden Vollprofis geraten, aber trotzdem wurde ich überaus freundlich in die Kunst des Stickens eingeführt.

Gestickt haben wir mit unterschiedlichen Fäden. Der erste Faden war ein Seidenfaden. Hier habe ich gelernt, dass die gekauften Stickfäden oft gar nicht in ihrer vollen Stärke genutzt werden, sondern dass jeder Faden auseinandergedreht wird und so in zwei oder mehr dünnere Fäden geteilt wird. So erhält man dann sehr dünnes Garn und hat vor allem auch deutlich mehr Fäden, mit denen man sticken kann. Natürlich dauert das Sticken mit dünnem Garn auf gleicher Fläche länger, als wenn man dickeres nutzt, die Stickelemente sind aber auch dementsprechend filigraner. Die Einfädeltechnik war auch deutlich komplizierter, als wenn ich einen Faden eingefädelt hätte, aber dass hinter die Nadel ein ganz kleiner Knoten gesetzt wird und der Faden so nicht mehr aus dem Öhr rutschen kann, fand ich dann doch recht praktisch.

Für Farbverläufe werden lange und kurze Stiche in zwei ähnlichen Farbtönen gestickt, sodass es dann wie ein Farbverlauf aussieht. Bei dieser Blume sieht man das im Grunde sehr schön. In der Theorie einfach, in der Praxis gar nicht so leicht. Auch das erfordert natürlich alles ein wenig Übung, Gefühl für die Nadel und das Garn.Chinesische Sticktechniken - Workshop Berlin Außerdem ausprobiert haben wir den Zopfstisch, der auch bei uns unter dem Namen Kettstich bekannt ist sowie einige andere Sticharten. Recht simpel und dennoch effektiv fand ich diesen Spinnennetzstich, bei dem zuerst einige Stiche zu einem Stern gestickt werden und diese dann einfach von einem Faden in Kontrastfarbe sozusagen kreisförmig umwebt werden. Auch schön ist die Variante der konvexen Stickerei, bei der man einfach ein Band nimmt und dieses in Falten legt und aufstickt. Einerseits geht dies natürlich deutlich schneller, als wenn man mit einem mehrfach geteilten Seidenfarben und winzigen Stichen arbeitet, andererseits finde ich den dreidimensionalen Effekt auch sehr schön.

Stickworskhop - Chinesische Sticktechniken

Kettstich - Sticken verschiedene Stiche Sticken - Verschiedene Stiche - Spinne Sticken verschiedene Stiche - China

Für mich war das in jedem Fall ein spannender Einblick in die chinesische Stickerei mit Fokus auf die Traditionen des Miao-Volks, für den ich Lan Wang sehr danke. Auf ihrem Youtube-Channel findet ihr auch einige spannende Videos, unter anderem auch Übungen zur Tuschemalerei.

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