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Gedanken zum Jetzt und seiner Vergänglichkeit

Gedanken zum Jetzt und seiner Vergänglichkeit 1

Lost Places Rügen Sassnitz

Die Fotos für den Blouson sind im Sommer auf Rügen entstanden. Eine wunderschöne Insel, die in ihrer Vergangenheit auch schon so einiges erlebt haben muss. Wir waren in der Nähe von Sassnitz auf der Halbinsel Jasmund und bei einem Spaziergang durch die dichten Wälder gelangten wir unerwartet in den Bereich des ehemaligen Schlosses Dwasieden. Das große Tor war geöffnet, ein Weg führt mitten hindurch und da wir in Richtung Meer laufen wollten und keine Beschilderung gegenteiliges anzeigte, folgten wir ihm. 
Lost Places Rügen Sassnitz

Zwischen den Bäumen am Wegesrand Ruinen, kleine Häuser, Bunker, Reste von größeren Häusern, aber auch das, was von Prachtbauten,einemSchloss und dem dazugehörigen Marstall, übrig geblieben ist. Solch ein Ort, ähnlich wie Beelitz Heilstätten, zeigt mit immer wieder auf, wie vergänglich alles doch ist. Das Schloss Dwasieden, gebaut im späten 19. Jahrhundert noch in der Bismarckzeit errichtet, ist nur noch als gespenstische Ruine erhalten. Von einem Schlosspark ist lange nichts mehr zu sehen, alles ist inmitten eines dichten Waldes verschwunden. Erst wurde das Schloss während der Nazidikatur militärisch genutzt, später dann von der sowjetischen Besatzung gesprengt. Prunkbauten wie Schlösser hatten zu dieser Zeit nicht die besten Überlebenschancen im ostdeutschen Raum.   Die vielen weiteren Ruinen auf dem Gelände, schnell gebaute Plattenbauten, weisen aber darauf hin dass das Gelände im Verlauf der Zeit weiterhin genutzt wurde. Die Kacheln in den ehemaligen Bädern und Küchen scheinen dem Design der 60er Jahre zu entsprechen. Vielleicht aber auch nicht. Egal. Auch sie sind jetzt zerstört, zerschlagene Fenster, Müll, kaputte Dächer, die Natur die sich Stück für Stück ihr Eigentum zurückholt. Ob hier herrschaftliche Gäste empfangen werden, Nazis im Gleichschritt marschieren, sowjetische Besatzer oder DDR-Mitarbeiter ihr eigenes Volk gefangen halten, ob im ganzen Land Wiedervereinigung gefeiert wird oder Rügen mit fast 20 Prozent für die AFD stimmt, den Bäumen, Sträuchern, Steinen, den Vögeln und Ameisen wird es wohl egal sein.  Lost Places Rügen Sassnitz

Und ich fahre nach Hause und der August geht und der September kommt. Und die Wahl ist eines der Hauptthemen in den Medien. Wir sehen das Duell der Kandidaten und es geht vorwiegend um Flüchtlinge. Wir sehen Nachrichten und sehen, wie die Kanzlerin beschimpft wird, wie Deutsche Angst vor Flüchtlingen haben, gegen sie hetzen. Und ich sehe mich mit der Nachfrage konfrontiert, warum die Deutschen ALLE ein Problem mit Flüchtlingen haben. Warum Merkel die Flüchtlinge reingelassen hat, wenn hier doch keiner Flüchtlinge mag. Warum alle Menschen denken, dass Flüchtlinge schlechte Menschen sind. Oder vielleicht sogar gar keine Menschen? Und können Flüchtlinge jemals hier auch wie ein Mensch sein? Oder werden sie immer nur Flüchtlinge sein? Fragen eines Jugendlichen, der Nachrichten sieht, immer mehr von dem versteht, was er sieht und Angst hat. Angst in der neuen Heimat auch in Gefahr zu sein, wieder ausgegrenzt und verfolgt zu werden aufgrund seiner Herkunft, seiner Vergangenheit, für die er nichts kann. 

Lost Places Rügen Sassnitz

Fernsehen, Internet, Medien. Medien, die uns auf der einen Seite erzählen, wie gefährlich das Fremde ist. Medien, die uns auf der anderen Seite erzählen, wie gefährlich der Fremdenhass ist. Fast nicht vorstellbar, was ich alles schon auf Facebook gelesen habe, was Menschen glauben, nur weil es auf Facebook steht. Aber es macht nachdenklich. So schwer zu vermitteln, dass das durch Medien geprägte Bild nicht unbedingt der Realität entspricht.  Wie soll man Dinge verstehen, die man nicht kennt? Von wem lernen, wenn es keine Lehrer gibt? Ich wurde bereits mehrfach gefragt, ob ich aktuell nicht mehr in bestimmte Regionen des Landes fahre. Ich reise gerne, in letzter Zeit aufgrund von aufenthaltsrechtlichen Reglementierungen ausschließlich in Deutschland, in den Harz, an die Ostsee oder nach Brandenburg . Überall trifft man neue Menschen,  auch auf Menschen, die nicht der gleichen Meinung wie ich sind, auf Menschen, die eher zurückhaltend auf andere Kulturen reagieren. Aber alle Begegnungen waren immer positiver Natur. Begegnung ist wohl das, was uns unsere Medienrealität überdenken lässt. Manchmal wünsche ich mir ein bisschen weniger Facebook, ein bisschen mehr Interesse an dem, was vor der Tür wirklich passiert. Ein paar mehr Fragen und nicht nur Antworten auf ungestellte Fragen. Aber auch Facebook ist wohl nur ein Moment.

Und so wie die Ruinen auf Rügen heute von Bäumen überwuchert werden, so wird auch die Farbe von anderen Wänden platzen, Mauern bröckeln; Es bleibt die Hoffnung, dass es immer genug Pflanzen geben wird, die unsere kleine Welt weiterhin so lebenswert machen, wie sie es doch eigentlich ist.
Lost Places Rügen Sassnitz

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5 Antworten zu “Gedanken zum Jetzt und seiner Vergänglichkeit”

  1. Ein sehr bewegender und nachdenklicher Post. Auch ich finde es sehr befremdlich was in unserem Land passiert. Leider scheinen viele Menschen an Vergessenheit zu leiden. Ich wünsche mir sehr, das alle Menschen in unserem Land willkommen sind.
    Der Blouson ist Dir gut gelungen.

  2. die bilder vermitteln einen gewissen schwermut und einen kontrast – gefällt mir. die gedanken dazu… ja, wenn es darauf nur antworten gäbe. ich frage mich manchmal, verändert das internet die menschen oder reden die menschen nur hemmungsloser über das, das ihnen immer schon inne wohnt? ich weiß es nicht. im moment habe ich das gefühl, befinden wir uns auf einer gratwanderung und die medien tun leider in ihrem streben nach profit genau das, das die journalistenethik theoretisch verbieten sollte.

  3. Ein sehr nachdenklicher und schwermütiger Beitrag. Ich weiß die Antworten auf deine Fragen auch nicht. Stimme dir aber zu, dass in den letzten Jahren die Mitte zunehmen verruscht wurde, dass die Menschen ungehemmter (auch ohne FB) ihren teils absurd erscheinenden Gedanken freien Lauf lassen. Aber ich sehe dass das Problem auf alle Minderheiten ausgegrenzt wird, die anders leben oder anders ticken als die Mehrheit. Wenn mal wieder von Zwangstherapien für Drogensüchtige oder Homosexuelle die Rede ist, wird mir ganz schlecht…

    LG, Daniela

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